Theater
Sellemols Theaterleit'
Über die Entstehung der Gruppe
1998: Vom Leineweberdorf zum Schreinerdorf.

1989 konnte Eschelbronn auf seine 1200-Jahre Ortsgeschichte zurückblicken.
Aus diesem Anlass kam mir die Idee, ein Mundarttheaterstück über die Wandlung des Dorfes vom Leineweberdorf zum Schreinerdorf zu schreiben.
Nachdem das Manuskript fertiggestellt war, sprach ich verschiedene Leute an, von denen ich annahm, dass sie fürs Theaterspielen ein offenes Ohr haben könnten.
So wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit die Sellemols Theaterleit' ins Leben gerufen.
Wir spielten das Stück viele Male mit großem Erfolg und immer ausverkauftem Haus.

1993: Veronoka Seyfert
 
Mein zweites Theaterstück "Veronika Seyfert", dem ich ein Gerichtsurteil über das Armenrecht in der Mitte des 19ten Jahrhunderts zugrunde legte, war ebenfalls sehr erfolgreich.
Die Sellemols Theaterleit wurden von SWR 4, Kurpfalzradio zu einer Nahaufnahme eingeladen. Dort wurden wir in einer Stundensendung zum Stück und der Theaterarbeit befragt.
Wir waren guter Stimmung auf dem Nachhauseweg.
Plötzlich meinte jemand aus der Gruppe: "Die Geschehnisse im Dritten Reich in Eschelbronn solltest du auch einmal aufarbeiten."
Ich warf dieses Ansinnen zuerst weit von mir: "Ja, aber jetzt noch nicht! Irgendwann einmal, aber noch nicht jetzt."
Dieser Satz ließ mir keine Ruhe. Wann, wenn nicht jetzt, sollte ich dieses Thema aufgreifen?
Ich war hin- und hergerissen.
"Will ich mich tatsächlich an ein so heikles Thema wagen?"
"Ausgerechnet in Eschelbronn?"

Ja, gerade in Eschelbronn!
Aber ich war mir bewusst, wenn ich das "Drittes Reich" thematisiere, müssen alle Fakten hieb- und stichfest belegt sein.
Ich darf mich nicht auf Erzählungen alleine verlassen. Sonst würde ich mich im Dorf nicht mehr blicken lassen können.

1996: Aus der Lisbeth ihrm Tagebuch
 
Ich habe mir beim Bürgermeister die Genehmigung, im Archiv nach Daten zu suchen, geholt.
Man machte mir wenig Mut. "Du wirst dort nichts finden, die haben bei Kriegsende alles Belastende verbrannt!"
Im Archiv stand ich schließlich unschlüssig vor einem großen Regal mit ungeordneten Aktenbündeln. Wo sollte ich da anfangen zu suchen?
Mitten aus diesem Bündelberg griff ich mir eine Akte, schlug sie auf und hatte genau das, wonach ich gesucht habe, die Geschichte von Adolf Klein.

Viel Briefwechsel, unzählige Telefonate waren noch erforderlich, bis ich am Ende wusste, Adolf Klein ist nach seiner Entmündigung und den Stationen Kislau und Dachau 1942 in Mauthausen umgekommen.
Geschehnisse um die Zwangssterilisationen habe ich im Archiv entdeckt und im Stück verarbeitet. Hinzu kamen Selbsterlebtes und Dinge, die mir von den Großeltern berichtet worden waren.
Für dieses Stück bekam ich den Landespreis für Volkstheater, Förderpreis und das Fernsehen wurde darauf aufmerksam.
In der Stadthalle Sinsheim wurde das Stück aufgezeichnet und schließlich im November 1998 über SWR 3 im Abendprogramm ausgestrahlt.
 
 
2001: "S Lewe geht weiter
Das vierte Theaterstück "S Leewe geht weiter - E Dorf em Kraichgau vun 1945 bis 1954 ist die Fortsetzung von Lisbeths Tagebuch. Das Stück basiert auf Erzählungen der damaligen Rathaussekretärin, die lebhaft zu erzählen wusste und ein Lexikon an Wissen über jene Zeit im Dorf ist.
Premiere war im Februar 2002. Im September bzw. Oktober sind noch drei Vorstellungen geplant, eine davon im Rahmen der Sinsheimer Kulturtage in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule in der Stadthalle Sinsheim.
 
Alle Bilder auf dieser Seite stammen aus "S Lewe geht weiter".
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